Zu viele Standards verderben alle Chancen

Und dann war es vorbei, das mit Spannung erwartete Derby zwischen dem FC Rehau und dem 1.FC Schwarzenbach, und die Besucher waren sich einig, dass es kein Spiel war, dass lange im Gedächtnis bleiben wird. In einer selten spektakulären Partie waren es die Gastgeber, die weniger Fehler machten und deshalb verdient, wenn auch etwas zu hoch mit 4:1 (1:0) gewannen. Es passt zu dieser kuriosen Kreisligasaison, dass der FCS trotz der klaren Niederlage zum ersten Mal oberhalb der Relegationsränge steht, weil die Kontrahenten im Keller ebenso deutlich verloren.

Man kann selbstverständlich sagen, dass die Niederlage für die Schwarzenbacher zu deutlich ausfiel, denn um drei Tore besser waren die Gastgeber nicht. Doch dass sie insgesamt verdient war, kann auch keiner bestreiten. Der Verlauf der Partie an sich ist relativ schnell erzählt, denn die Standardsituationen gaben in diesem Spiel den Ausschlag. Zwei Freistöße, einmal von Eiswert und einmal von Bülbül, landeten auf dem Kopf des Rehauer Kapitäns Decker, der sich im Zweikampf durchsetzte und einnickte (17./77.); einen weiteren Freistoß verwandelte Eiswert direkt (62.). Auch das Tor des FCS fiel durch einen ruhenden Ball, als Fröhlich den Elfmeter verwandelte, der nach einem Foul Bülbüls an Bertl fällig war (46.). Aus der Reihe fiel das 4:1 von Vuckov, der einen Konter ganz eiskalt verwandelte (79.). Diese Effizienz und eine in Teilen bessere Spielanlage waren Garanten für den Erfolg des FCR, der besser, weil bestimmender begann und die Grün-Weißen beschäftigte. Der erste Treffer war nicht unbedingt die zwingende Folge dieser Anfangsphase, aber er fiel, weil die Schwarzenbacher Verteidiger nur schwer Zugriff auf ihre Gegenspieler bekamen und sich entweder mit Befreiungsschlägen und Fouls oder Hauruckaktionen behelfen mussten. Erstere führten zu den ruhenden Bällen, die die Rehauer nutzten oder mit denen sie für Gefahr sorgten, als unter anderem nochmals Decker fast vom Zögern Fragas profitiert hätte (31.); letztere machten ein geregeltes Aufbauspiel gegen wachsame Nachbarn kaum möglich. Zu oft blieb der FCS zweiter Sieger auch offensiv in Zweikämpfen oder machte sich das Leben schwer, weil der Ball zu lange im Besitz eines Spielers blieb. Damit durfte Rehaus Torwart Karnitzschky einen überaus ruhigen ersten Spielabschnitt verleben, nur bei einem Freistoß Bertls, der wieder mitwirken konnte, war er kurz gefordert (45.). Echte Derbystimmung kam bei diesem Spielverlauf kaum auf, und eine echte Chance hätten die Gäste kaum gehabt, wenn sie nach der Pause so weitergemacht hätten. Das musste wohl auch die Erkenntnis in der Kabine gewesen sein und die zweite, dass die Mannschaft eben noch weitere 45 Minuten hatte, um es besser zu machen. Prompt bewies sie Zielstrebigkeit, der erste Angriff lief über Bertl, Bülbül leistete sich ein völlig unnötiges Foul an der Grundlinie und Schiedsrichter Endress musste Elfmeter pfeifen, den Fröhlich zum Ausgleich nutzte. Es folgte eine Viertelstunde, in der die Begegnung auch hätte kippen können, weil der FCS drängte und präsenter war und sich öfter durchsetzen konnte. Aber vielleicht wollte er in diesem Moment auch zu schnell zu viel, vielleicht wollten die Grün-Weißen ihren Bekannten oder Arbeitskollegen zeigen, wozu sie in der Lage sind oder ihnen einen Dämpfer im Aufstiegskampf verpassen. Den Angriffen fehlte jedenfalls die Ruhe und Überlegung, daher gab es auch keine nennenswerten Abschlüsse. Rehau musste viel investieren, um stabil zu stehen, schaffte das und zog dann auch Kraft aus diesen Aktionen. Der FCR befreite sich nach und nach, Vuckov oder Aydinli machten über die Flügel wieder Druck, das Bild ähnelte wieder dem in der ersten Hälfte. Und so war es erneut ein Freistoß, der die Gastgeber in Front brachte, dabei hatte Keeper Fraga gegen den starken Eiswert keine Abwehrmöglichkeit (62.). Die Gäste wehrten sich, allerdings kaum konstruktiv, Rehau hielt mit, die Folge waren viele hohe und lange Bälle ins Nirgendwo auf beiden Seiten plus etliche Unterbrechungen, schönes Spiel sieht anders aus. Eine Chance ergab sich für Ballaro (64.), bei der Fraga auf dem Posten war und der Abschluss dieser Phase war das 3:1, als Decker erneut vor Löffler an den Ball kam. Viel zu hastig warf der FCS alle Taktik über den Haufen, stürmte nach vorne und wurde bestraft, als ein abgefangener Angriff bei Vuckov landete, der sich nicht halten ließ. Spiel entschieden, ein paar Plänkeleien auf beiden Seiten, eine Situation im Strafraum zwischen Fuchs und Vuckov, bei der Endress beide Augen zugunsten der Schwarzenbacher zudrückte, das war’s. Viele Zuschauer hatten sich wohl mehr vom Derby erhofft, dafür kamen die Gäste aber zu selten an ihr Leistungsmaximum und müssen nach dem Hoch der Siegesserie wieder mehr nach unten blicken.

Die Aufstellung: Fraga da Silva – Luber, P. Fuchs, Saalfrank, Löffler (Jung) – Wohn, Hofmann, S. Bertl, Özay, Barthold  (M. Fuchs, Seifert)– Fröhlich.