Lange Paroli geboten

Der Blick auf die Tabelle ist kein angenehmer für alle, die dem 1.FC Schwarzenbach die Daumen drücken, denn nach dem 0:2 (0:0) gegen den VfB Arzberg bleibt die Mannschaft Vorletzter in der Kreisliga Süd. Doch wer sich allein schon die Teilergebnisse ansieht, der kann bereits erkennen, dass im Spiel gegen den Tabellenführer bei weitem nicht so einseitig zuging, wie manche im Vorfeld befürchteten. Auch wenn weiter nur ein Zähler auf dem Konto steht, gibt es doch Hoffnung, dass sich mit dieser Partie eine Trendwende für den FCS abzeichnet.

So wie der Bericht zum Spiel gegen die SF Kondrau mit vielen Namen begann, beginnt auch dieser mit einer Liste: Seifert, Jung, Hofmann, Fröhlich, S. Bertl, Linke, Saalfrank – gleich sieben Akteure, die in der Vorwoche nicht mitwirken konnten, waren an diesem Wochenende mit von der Partie; dazu saßen Scharrer und Wohn wenigstens auf der Bank. Achtbar, wie sich die Ersatzleute zuletzt geschlagen hatten, gaben die Rückkehrer doch ganz andere Optionen für den Spielaufbau und die taktische Ausrichtung der Schwarzenbacher. Und sie erlaubten mehr Tempospiel auf den Außen, das in den vergangenen Wochen einfach fehlen musste. Nach wenigen Minuten schon kam Seifert auf der rechten Seite durch, der Abschluss war aber zu schwach. Arzberg war passsicherer, kombinierte sich gut durch das Mittelfeld, aber dann war meistens Endstation gut 20 Meter vor dem Tor des FCS, weil die Abräumer durch Hofmann und Linke bestens ergänzt wurden. Dass der Vorletzte gegen den Spitzenreiter so gut stand, machte Mut für Offensivaktionen; Fröhlich beschäftigte Torwart Scupin mit einem Freistoß (14.), Seifert überlief nochmals einen Verteidiger, brachte dann aber keinen Effet mehr hinter den Ball (20.). Die Gäste mussten sich erst einmal besinnen und versuchten, ihre körperliche Präsenz auszuspielen, das machte sich bemerkbar bei einem gefährlichen Kopfball von Florian Graf (30.), aber auch bei einigen harten Attacken, die Gelbe Karten nach sich zogen. Eine davon bekam auch Stürmer Brunner, der unter genauer Beobachtung des besonnenen und mit Übersicht leitenden Schiedsrichters Thüroff stand und somit nicht in jede Aktion eingebunden werden konnte, was die Arzberger klar vor Schwierigkeiten stellte. Brunner ist ein herausragender Fußballer, aber er kann es mit Aktionen abseits des Balles auch übertreiben, was selbst sein Trainer Milan Horvat durchaus kritisch sieht. Der VfB kam über Kraft und Gegenhalten besser auf, die letzte Aktion vor der Pause zeigte dann auch seine spielerische Klasse, aber genauso den großen Willen der Schwarzenbacher, die zu zweit vor einem Arzberger Angreifer im letzten Moment klärten. Ein Unentschieden zur Halbzeit, das ging in Ordnung und weckte Hoffnungen bei den Gastgebern, doch es blieb die Frage, wie lange die Kräfte reichen würden bei Spielern wie Linke oder Bertl, die praktisch ihr Saisondebüt feierten. Zunächst blieb die Begegnung ausgeglichen, einen guten Schuss von Brunner, den Becher entschärfte (47.), beantwortete Bertl mit einem Versuch, der über das Tor ging (52.). Langsam, fast unmerklich begann in diesen Minuten der Kräfteabbau im neu formierten Team, die Spielzüge nach vorn wurden unpräziser, die Pässe kamen nicht mehr in jedem Fall an. Und eine clevere Mannschaft wie der VfB erkennt eine solche Entwicklung und reagiert darauf. Brunner war schon etwas zurückgezogen worden und agierte als Ballverteiler, Fojtik, Horvat und Lang machten gemeinsam mit ihm Druck – in der 58. Minute bekamen die Schwarzenbacher diesen zu spüren, der Ball konnte nicht vom eigenen Strafraum fern gehalten werden, Lang bediente Brunner und der traf zum 0:1. In der Folgezeit merkte man die fehlenden Routinen bei den Platzherren, die müssen erst wieder kommen, wenn die Spieler an Bord sind; der FCS wackelte und hatte Mühe, sicher zu stehen. Zu Hilfe kam ihnen ausgerechnet Arzbergs Kapitän Florian Graf, der nach einem Foul in der ersten Hälfte eine weitere harte Attacke fuhr und dafür mit Gelb-Rot vom Platz musste (69.). Es gab also Platz zum Ausspielen der Angriffe, die Möglichkeiten boten sich unter anderem Hofmann (71.) und Fröhlich (74.), die aber beide kein Glück im Abschluss hatten. Der VfB stand jedoch ordentlich unter Druck, der FCS sich allerdings etwas zu sehr auf den Füßen, weil viele Angriffe durch die Mitte führten, wo kein Durchkommen war und fast jeder mithelfen wollte, den Ausgleich zu erzielen. Ein abgebrühter Stürmer hätte hier viel bewirken können, über den verfügt der FCS aber nun einmal nicht. Stattdessen gibt es etliche Schwarzenbacher, die über Qualitäten im Eins gegen Eins verfügen, in dieser Situation wollten sie aber alle zu viel und übersahen ihre Nebenleute. Eine solche Aktion wirkte sich fatal aus: Fröhlich blieb kurz vor dem Arzberger Strafraum hängen, der abgefangene Ball landete bei Fojtik, der ihn so lange behauptete, bis Lukas Graf nachgerückt war und jede Menge Platz und Zeit hatte, um das Endergebnis herzustellen (80.). Die Grün-Weißen zeigten danach zwar den Willen, sich wieder heranzuarbeiten, aber der VfB ließ nichts mehr zu und fuhr so geschickt den vierten Sieg im fünften Saisonspiel ein. Für die Gastgeber gab es in der Tabelle nichts Zählbares, aber in puncto Moral und Glaube an die eigenen Stärken kann dieses Spiel ein ganz wichtiges gewesen sein.

Die Aufstellung: Becher – Jung, Luber, Löffler, Saalfrank (Scharrer) – Hofmann, Linke, S. Bertl, Seifert, M. Fuchs (Barthold, Wohn)-  Fröhlich.