Ein Wiedersehen – für wie lange?

Die Geschichte und Historie ist einfach zu faszinierend, als dass man sie nur einmal im Lauf einer Saison erzählen könnte: wenn am Sonntag um 12.30 Uhr der FCS und der FCR Geroldsgrün aufeinander treffen, dann liegt eine Menge Nostalgie in der Luft. Vor mehr als sechzig Jahren, kurz nach dem Ende des 2. Weltkrieges, waren die beiden Vereine Kontrahenten in der 2. Amateurliga, der damals dritthöchsten Spielklasse überhaupt. In den 80er Jahren verpassten sie sich hauchdünn in der Bezirksliga, und in den 90ern standen sie sich noch in der Kreisliga gegenüber. Und nun trifft die Reserve des einen auf die 1. Mannschaft des anderen – in der Kreisklasse. Die Entwicklung der Ligen erzählt nicht die ganze Geschichte, aber sie gibt doch eine Tendenz wieder, was mit dem Fußball im Land- und Spielkreis geschieht: der Sport ist längst nicht mehr die unumstrittene Nummer 1, die Kinder und Jugendlichen strömen nicht mehr einfach so in die Vereine, oder sie verlassen sie wieder, wenn sie denn da waren, wenn sie auf der Suche nach Arbeits- oder Studienplatz die Gegend verlassen. Traditionsklubs müssen die Segel streichen oder kleinere Brötchen als früher backen, wenn sie nicht neue Wege finden, an Spieler zu kommen, sei es durch innovative Ideen für die Jugend oder Zukäufe von außen. Wer gar keine Möglichkeiten hat, bleibt auf der Strecke – die einst gefürchteten Teams aus Steinbach und Dürrenwaid sind Geschichte, in Langenbach vor den Toren Geroldsgrüns wird auch nicht mehr gespielt. Der FCR hält sich als eigenständiger Klub immer noch, doch die „Roten Teufel“ verbreiten nicht mehr ganz so viel Angst und Schrecken wie früher. Die Kreisklasse ist schon einige Jahre Heimat der Geroldsgrüner, richtig oben anklopfen konnten sie in dieser Zeit nie wirklich. Und auch in dieser Spielzeit wird nichts mehr passieren, die Mannschaft von Matthias Kahl liegt im hinteren Mittelfeld, wird wohl nach und nach die restlichen Punkte für eine sorgenfreie Saison holen und dann weiter in der Kreisklasse vertreten sein. Im Kader finden sich noch Namen, die seit langem für den Fußball aus dem Frankenwald stehen wie Horn, Merbach oder Ölschlegel, bester Torschütze sind aktuell Manuel Dausel und Konstantin Thüroff mit je sieben Toren. Die Bilanz ist bei Toren und Punkten knapp negativ, der FCR ist eine Elf aus dem Mittelfeld. Um dort sicher zu bleiben, wird er versuchen, das Jahr mit einem Auswärtserfolg abzuschließen, im Hinspiel gelang schon einmal ein 3:1. Und was macht der FCS II? Er wäre froh über überhaupt einen Erfolg. Beim 2:2 in Ort flackerte auf, was die Mannschaft leisten kann, wenn zumindest vieles passt, das 0:2 gegen Waldstein sorgte dann schon wieder für Ernüchterung. Man hechelt einem Sieg in der Kreisklasse hinterher, denkt wehmütig an den Frühling zurück, als alles locker lief (allerdings in der A-Klasse) und die meisten dürften sich das Ende des Spieljahres herbeiwünschen. Aber niemand will mit einer weiteren Niederlage in die Winterpause gehen, es gilt sich noch einmal 90 Minuten lang reinzuhängen, um sich nicht vorwerfen zu müssen, die eine mögliche Chance auf einen positiven Abschluss dieser zwei Drittel in der Kreisklasse nicht genutzt zu haben. Außenseiter sind die Schwarzenbacher, auch auf eigenem Platz, aber wann waren sie das nicht? Sie werden es wie immer versuchen, werden alles geben und dann abwarten, was passiert. Die Nostalgiker neben dem Feld dürften wahrscheinlich eher von den Spielen in früheren Zeiten schwärmen, doch vielleicht kommt ja gerade an diesem Sonntag ein weiteres Kapitel für die Geschichtsbücher dazu. Wann es dann das nächste Wiedersehen geben wird, kann niemand sagen, deswegen bleibt es egal mit welchem Ausgang in jedem Fall eine besondere Partie. Anstoß ist um 12.30 Uhr.