Das Letzte seiner Art?

Es ist und bleibt ein seltsames, schwer zu beschreibendes Gefühl, und vor allem eines, dass wohl jeder am liebsten so schnell wie möglich wieder los wäre: das Gefühl der Machtlosigkeit gegenüber einem Virus, das binnen kürzester Zeit alles auf dem Kopf gestellt hat, was wir bisher für selbstverständlich gehalten hatten. Vor sechs, vor fünf Wochen plante jeder seinen Sommerurlaub, ging jeder wie immer zur Arbeit, schickte jeder seine Kinder in Kindergarten und Schule, schaute jeder Fußballfan am Samstag Bundesligafußball und freute sich auf den Sonntag mit den Spielen auf lokaler Ebene. Die Schwarzenbacher Fußballer absolvierten ihre Vorbereitung mit Tests, dazu fuhren sie mal eben nach Hof oder Wüstenselbitz, Ziele, die jetzt unendlich weit weg scheinen. Die Alten Herren stimmten sich auf ihre Saison mit einem Treffen in Martinlamitz ein, auch das erscheint jetzt unwirklich. Die Kinder gingen zum Training in die Hallen und waren am Wochenende mit vielen anderen jungen Kickern und ihren Eltern bei Turnieren – hat es das wirklich gegeben? Stammtische trafen sich in den Vereinsheimen, Feierlichkeiten wurden terminiert und organisiert – wer dachte ernsthaft daran, dass all diese Aktivitäten auf absehbare Zeit nicht möglich sein würden? Wie gesagt, ganze fünf oder sechs Wochen ist das her, doch den meisten von uns erscheint es wohl wie eine Ewigkeit. Wie, wann, ob der Ball so schnell wieder rollen wird, das liegt längst nicht mehr bei den Vereinen, darüber entscheiden ganz andere Instanzen. Während die Bundesligisten wieder vorsichtig trainieren, sind die Amateurvereine noch bis mindestens 19. April außen vor, so lange gilt aktuell die Allgemeinverfügung, die auch die Sperrung von Sportanlagen einschließt; was danach kommt, weiß heute niemand. So verständlich alle Maßnahmen sind, so schwer zu schlucken haben die Verantwortlichen und Beteiligten: längst verdienen Vereine auf Kreisebene zwar keine Reichtümer mehr mit Zuschaereinnahmen, aber der Verkauf von Essen und Getränken, die Vermietung von Räumlichkeiten – alles, was jetzt gerade nicht möglich ist – bringen Gelder in die Kassen, die für einen normalen Betrieb während des Jahres von großer Bedeutung sind. Sportlich will sich jeder Fußballer auf dem Platz messen und über den Abschluss einer Saison bestimmen, anstatt zu Hause zu grübeln „was wird passieren, wenn…“ Und wenn dann auch noch das Salz in der Suppe, ein Nachbarderby, ausfallen muss, fühlt es sich doppelt bitter an, auch beim Vernünftigsten. Genau diese Art von Duell hätte am Ostermontag angestanden, dann hätte der FCS die TuS aus Förbau empfangen, ob zu einem Kellerduell oder zum Spiel zweier Teams, die erfolgreich aus der Winterpause zurückgekehrt sind, man weiß es nicht. Vielleicht hätten sich auch 22 Spieler gegenüber gestanden, die ein Gedanke vereint hätte: „Schreiben wir gerade Geschichte? Sind wir die Letzten auf beiden Seiten, die als Gegner auflaufen? Spielen wir in der kommenden Saison als ein Team?“ Nicht erst seit der Notiz in der aktuellen Ausgabe des Amtsblatts ist es kein Geheimnis mehr, dass die beiden Vereine über eine Spielgemeinschaft verhandeln; bereits auf der Jahreshauptversammlung der Förbauer wurde die Thematik eingehend diskutiert, auch beim FCS stand das Stichwort „Zukunft Fußball“ auf der Tagesordnung der JHV, die aber bekanntlich verschoben werden musste. Über Für und Wider, Notwendigkeiten, Risiken und Chancen einer solchen SG wird lange genug schon gesprochen und geschrieben, über den Stand der Dinge wird sicher auch immer wieder etwas zu hören sein; vielleicht erübrigen sich aber auch alle Diskussionen in der Folge der aktuellen Krise, sollten zu sportlichen Erwägungen auch wirtschaftliche Zwänge kommen, sprich: kann ein Verein alleine alles schultern, was an Belastungen kommt? Wenn schon in der Bundesliga von Insolvenzen die Rede ist, wie verkraften die Amateure die Verluste? Natürlich müssen keine Mitarbeiter bezahlt werden, das Ehrenamt spielt die große Rolle, aber wie verhält es sich mit Sponsoren und Gönnern? Muss der normale Zuschauer aufs Geld schauen und sich öfters als vorher Eintritt und Verzehr sparen? Es sind höchst spannende Zeiten, die gerade im Schwarzenbacher Fußball ablaufen, selbst wenn auf dem Platz nichts davon zu bemerken ist. Und es wäre wohl eine völlige Ironie der Geschichte, wenn das letzte Derby, das hätte stattfinden sollen, nie ausgespielt wird und dieser Ausfall trotzdem nur eine Randnotiz bleibt, weil die übrigen Geschehnisse den Fußball so aus dem Blickfeld verdrängten, dass niemand mehr danach fragt.